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Igelritter Haveland e.V.

Tel: 0176 778 755 65

Willkommen bei Igelritter Havelland e.V.

Wir sind die Igelritter aus dem Havelland. Wir pflegen kranke Igel, ziehen mutterlose Igelbabys auf, teilweise auch mit Flasche und Ersatzmilch, kümmern uns um geeignete Auswilderungsstellen, informieren auf verschiedenen Events über unsere Arbeit und geben Hinweise, wie man einem Igel im heimischen Garten helfen kann. Zu unseren Aufgaben gehört natürlich immer das besondere Augenmerk auf jeden einzelnen Igel, der zu uns kommt. Nachdem die Tiere uns vorgestellt werden – entweder bringen Finder sie zu uns oder wir fahren zur Abholung (ungern, da uns dafür oft die Zeit fehlt) – schauen wir nach Außenparasiten, wie z. B. Flöhe, Zecken, Milbenbefall, und behandeln diese mit entsprechenden Antiparasitika. Danach bekommt jeder Igel seine eigene Box bzw. seinen eigenen Käfig, wo er bis zum Ende der Behandlung verbleibt.

Igel sind sehr individuell; nicht jeder mag das gleiche Futter, also müssen wir da auf Vorlieben achten. Im Allgemeinen bekommen unsere Igel hochwertiges Katzennassfutter, mit mindestens 60% Fleischanteil, ohne Getreide, Zucker, Soße oder Gelee. Dazu gibt es noch spezielles Igeltrockenfutter, getreidefrei, ohne Rosinen, Apfelstücke oder Nüsse (Igel sind REINE Fleischfresser). Gerne werden auch gekochte Hühnerflügel/Keulen, Zoophobas, Mehlwürmer, getrocknete Soldatenfliegenlarven, Heimchen oder sehr schlonziges Rührei genommen. Babys oder sehr kranke Igel bekommen eine andere Kost. Igelbabys werden von uns, je nach Gewicht und Alter, entweder mit spezieller Aufbaumilch/Igelwelpenmilch versorgt. Dazu mischen wir dann, je älter sie werden, spätestens aber mit Durchbruch der Zähne, das erste „richtige“ Futter bei, das heißt Babygläschen, püriertes Hühnchen ohne Zusätze, aber mit etwas Fencheltee versetzt, um den Darm nicht zu überfordern.

Sehr kranke, geschwächte Igel – halbverhungert, mit deutlichem Hungerknick, Verletzung durch Hundebiss, Unfall oder Opfer eines Freischneiders oder Mähroboters, sofern sie dieses überlebt haben – bekommen in der Erstversorgung a/d Futter aus der Tierarztpraxis. Danach werden die ersten Kotproben genommen und mikroskopiert. Damit finden wir heraus, woran der Igel leidet. Innenparasiten sind z. B. Saug- und Bandwürmer, Lungenwurm, Lungenhaarwurm, Darmwurm und Darmhaarwurm. Dazu gesellen sich dann Kokzidien, Kratzer und noch einiges mehr. Krankheiten der Haut, wie z. B. Milben- oder Pilzbefall, werden ebenfalls mit entsprechenden Mitteln behandelt. All diese Behandlungen erfordern einiges an Fachwissen und einen igelkundigen Tierarzt im Hintergrund, der uns entsprechend der Erkrankung des Igels die Medikamente überlässt. Jedes Tier wird unseren Tierärzten vorgestellt, da wir ohne sie kein einziges Tier behandeln dürfen. Unsere Tierärzte wiederum verlassen sich auf unser Fachwissen und die Ergebnisse der Kotuntersuchungen. Aber auch uns sind Grenzen gesetzt, und manche Tiere müssen wir stationär beim Tierarzt aufnehmen lassen, damit dort die notwendige Behandlung vorgenommen wird.

All diese Pflege ist mit immensen Kosten und noch viel mehr Zeitinvestition verbunden. Allein das tägliche Säubern der Käfige und Boxen – Hygiene ist hierbei der größte Faktor – dauert einige Stunden. Jeder Käfig, jede Box wird desinfiziert. Wir verwenden dafür Essig, weil es ein natürliches Desinfektionsmittel darstellt und den Igeln nicht schadet. Die Futterschalen, Wassernäpfe – alles wird täglich gewechselt und gereinigt. Unsere Igel haben spezielle Kuschelhöhlen, die je nach Bedarf bzw. Verunreinigung mehrmals täglich gewechselt und gewaschen werden. Auch wenn diese Höhlen einen gewissen Mehraufwand darstellen, haben wir die Erfahrung gemacht, dass die meisten Tiere sich darin sehr viel wohler fühlen als in Kunststoffhäusern und Papierschnipseln.

Wir füttern natürlich auch Igel in den eigenen Gärten. Diese Tiere sind daran gewöhnt, und manche kommen aus einiger Entfernung zu den Futterhäusern. Sie finden bei uns igelgerechte Schlaf- und Überwinterungshäuser, Futter in ausreichender Menge und geschützte kleine Ecken mit Gestrüpp, Reisig und Laub, um dort ihre Nester zu bauen, ggf. ihre Babys dort zu gebären, aufzuziehen und an den Garten als Rückzugsort zu gewöhnen.

Leider sind nicht alle Gärten so gestaltet. Da werden willkürlich allerlei Mittel zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt, Gifte versprüht, nur um den perfekten Rasen sein eigen zu nennen. Igel kämpfen um ihr Überleben, sie finden in der Natur kaum noch geeignetes Futter. Käfer und Larven werden von Menschen sinnlos ausgemerzt, Zäune bis zum Erdboden gezogen, nur um nicht das kleinste Lebewesen hindurchzulassen. Wir klären auf, wo immer wir sehen, dass der Lebensraum der Tiere eingeschränkt wird. Igel finden oftmals nur noch Schnecken und Regenwürmer, die sie aus purer Verzweiflung fressen. Diese „Nahrung“ steht im Grunde nicht auf ihrem Speiseplan und ist oft genug dann auch noch vergiftet (Schneckenkorn). Schnecken und Regenwürmer sind Zwischenwirte für Innenparasiten, die den Igeln so sehr zusetzen.

Womit wir wieder am Anfang sind – wir pflegen kranke und schwache Igel, die in unserer Umwelt, verursacht durch ständige Urbanisierung, Steinvorgärten, Gift, Mähroboter und so vieles vom Menschen Gemachte, bedroht sind. Igel stehen auf der Vorwarnstufe der roten Liste, artenbedrohter Tiere. Wenn wir nicht bald unsere Einstellung zum perfekten Garten ändern, stattdessen Lebensraum für Igel und Co. schaffen, werden wir in vielleicht 20 Jahren keine Igel mehr finden. Dann hat der Mensch wieder einmal ganze Arbeit geleistet und diese Tiere, die schon lange vor uns diesen Planeten besiedelten, ausgerottet.


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